Von Karaoke-Partys, Zechen und RWE

Der Freitag

14.02 Uhr: Abfahrt beim Fetisch Richtung Essen. Der Heimatstadt von Reiseleiter Michael „Poco“ Depping. An Bord der 20-köpfigen Reisegruppe im Alter zwischen 35 und 70 Jahren sitzt das Who is Who des TVD. Der mächtige Vereinsvorsitzende und dessen Finanzminister, der Altherren-Präsident und der ehemalige Fußball-Bezirkschef, Torhüter und Torjäger, Trainer und Treter, hochdekorierte Superaltligisten, ein halbes Dutzend ehemaliger Kohlkönige, 19 Deutsche und ein Engländer. Oder in Fanlagern aufgeteilt: drei Bremer, drei St. Paulianer, zwei Bayern, zwei Möchengladbacher, ein Kölner, ein Dortmunder, ein Wolfsburger, ein Anhänger von Manchester United und – man mag es kaum glauben – gleich sechs Fans eines aufstrebenden Zweitligisten aus Hamburg.

15.53 Uhr: Die erste Autobahnabfahrt Richtung Ruhrpott wurde verpasst. Doch das trübt die Stimmung im Bus nicht. Es wird gestichelt, geflachst – und es werden vor allem illegale Glücksspiele gezockt. Der Schnaps brennende Unternehmer aus dem Bockhorster Moor sackt dabei in einer Doppelkopf-Runde mit einem herausragenden Buben-Solo gleich satte 16 Euro ein. Zwei Tage und 83 Spiele später verlässt er übrigens mit diesem Gewinn wieder den Bus: 15,90 Euro. Der Pressefuzzi hingegen zahlt Lehrgeld. 

16.32 Uhr: Die Zugangsberechtigungen für das Hotel werden verteilt. Keine Schlüssel, keine Karten – sondern Zahlencodes. Was in beiden Nächten vor allem den jüngeren unter den Altherren noch Probleme bereiten wird. „Wie bekomme ich diese verdammte Tür auf“?. Unterdessen werden erste vorsichtige Vergleiche zwischen dem Busfahrer und der Spielweise eines freigeistigen Superaltligisten gezogen („draufgängerisch und ohne Übersicht“) - und gleich wieder verworfen. Denn der Busfahrer ist dem Vernehmen nach weniger verletzungsanfällig als der Mittelfeldspieler.

17.44 Uhr: Ankunft und Zimmerbezug in Essen-Altendorf. Genauer gesagt im ehemaligen Arbeiterviertel Kronenberg. Das Etablissement erweckt äußerlich und namentlich (Mc Dreams Hotel) zwar den Anschein eines Stundenhotels. Doch die Sorge ist unbegründet.

18.52 Uhr: Vorzügliche Verköstigung, Teil 1: In der Rüttenscheider Hausbrauerei gibt es leckere Schnitzel mit Pommes oder Bratkartoffeln. Und natürlich das Essener Heimatbier: Stauder. Der Altherren-Präsident lässt sich auch nicht lumpen. Er spendiert eine Runde Schnaps. Und lässt in einer kleiner Runde verlauten, dass er sich auf der Generalversammlung am 28. Dezember erneut zur Wahl stellt. Es wäre seine fünfte Amtszeit. Insider vermuten, es ist auch seine letzte.

19.02 Uhr: Die Gelehrten streiten darüber, wann die erste Mannschaftsfahrt der Neuzeit stattfand (1996?). Über den Ort (Hamburg) und den Organisator (Günther Hörstmann) sind sich die Dauer-Fahrer hingegen einig. Und wer hat die meisten Mannschaftsfahrten mitgemacht? Heißer Kandidat: Norbert Wolter („Ich habe nur eine seitdem verpasst“). Auf Platz zwei: wahrscheinlich Max Stengert.

20.58 Uhr: Ankunft im Irish Pub. Auf der Leinwand flimmert die sich anbahnende Niederlage der Bayern in Berlin. Doch den Schlusspfiff in der proppenvollen Kneipe sehnen die Gäste vor allem aus diesem Grund herbei: Danach beginnt die Karaoke-Party.

23.32 Uhr: Das Publikum gröhlt und schwitzt und singt. Die Stimmung kocht endgültig über, als ein Brite das Mikrofon ergreift: Ian Burgess. Und Ian Burgess macht das, was niemand besser kann als Ian Burgess: er singt seinen „Summer of 69“. Ein Song, der 1984 bekanntlich auch von dem eher unbekannten Byran Adams gecovert wurde.

0.06 Uhr: War das schon alles? Nein! Völlig überraschend steht auf einmal Patrick Dießel auf dem Tanzparkett und schmettert mit voller Inbrunst Westernhagens „Sexy“ auf das Tanzparkett. Fünf Minuten und zwei Sekunden später gibt es Standing Ovations. Das Publikum ist völlig aus dem Häuschen. Ein furioses und emotionales Solo des ansonsten eher nüchtern verteidigenden Verteidigers. Was Ian Burgess nicht auf sich sitzen lässt. Denn er lässt es als Duo mit der Rocky Horrow Picture Show ebenfalls noch einmal krachen.

2.14 Uhr: Die letzten fünf Spieler erreichen das Hotel. Ins Bett wandert ein Abwehrhüne indes doch noch nicht. Er verabschiedet sich zur Sorge der anderen Vier in die dunkle Ecke Altendorfs. „Ich muss noch eben einen Döner essen ...“

Samstag

8.31 Uhr: Frühstück im Discounter. Keine Beanstandungen. Die Frisuren sitzen. Auch beim Abwehrhünen, der unbeschadet den Weg ins Hotelbett gefunden hat und von einem netten Empfang berichtet. „Ich wurde noch nie freundlich in einem Dönerladen begrüßt. Die haben mir sogar eine Karte gegeben.“ 

10.31 Uhr: Was darf im Ruhrpott natürlich nicht fehlen? Richtig, der Besuch einer Zeche. Genauer gesagt: das Gelände des Weltkulturerbe Zollverein. Ex-Bergmann Volker macht in sehr kurzweiligen zwei Stunden die Welt von Kohle und Koks, Kunst und Kultur im Herzen des Ruhrgebiets erlebbar.

14.14 Uhr: Vorzügliche Verköstigung, Teil II: Im Restaurant Mezzo Mezzo werden Spaghetti, Zander und andere Köstlichkeiten verschlungen. Was beim Abwehrhünen später für einen hochroten Kopf sorgen wird.

15.49 Uhr: Ankunft in der aus Sport 1 bekannten „11 Freunde – die Bar“ in Essen-Rüttenscheid. Eine kleine, kultige und gemütliche Fußball-Kneipe mit hunderten von Fußball-Fanartikeln. Darunter auch ein Autogramm eines gewissen Ansgar Trinkmann. Der sympathische Barkeeper erklärt zu unserer Überraschung, dass Helmer, Basler, Neururer und Co. seit dieser Champions-League nicht mehr in seiner Kneipe über den Bildschirm flimmern werden. Sondern im versnobten München.

18.30 Uhr: Vorzügliche Verköstigung, Teil III: Ankunft im Sausalitos. Das Essen steht noch gar nicht auf dem Tisch, da fliegen die Caipirinhas, Hannava-Mixe und andere Longdrinks schneller über die Theke als der Sangria-Eimer zu Hochzeiten auf dem Ballermann. „Ist doch Happy Hour“, schmunzelt ein Superaltligist, während die Jungspunde über das Trink-Tempo der Ü50-Kicker staunen.

21.20 Uhr: Abflug ins Rockerviertel. Im Cafe-Nord werden bei den Klängen von AC/DC, Kaltgetränken und Kicker-Duellen Erinnerungen an das heimatliche Ritzer oder den Circus Musikus wach. Vor allem Peter Grotegers überrascht mit seiner Rocker-Expertise. Und Patrick Dießel damit, dass er mal Deutscher Meister war – 1992 mit der Uni Lemgo. 

23.52 Uhr: Die Gruppe verkleinert sich. Der jüngste Teilnehmer knüttert. Sein Ziel: das Bett. Doch die Rechnung hat er ohne seine anderen vier Taxi-Begleiter gemacht. „Auf einer Mannschaftsfahrt liegt man am Samstag nicht vor 3 Uhr im Bett“, klärt ihn ein HSV-Fan freundlich, aber bestimmend auf. Statt dem Ziel Hotel heißt es also erst wieder Irish Pub - und dann landet das Quartett (Alter: 35, 47, 47, 50, 54) sogar noch in einem Yuppie-Club mit attraktivem U35-Publikum. Im Bett landet das Quintett erst um 4.11 Uhr.

Der Sonntag

10.33 Uhr: Vorzügliche Verköstigung, Teil IV: Brunchen im Extrablatt. Es entbrennt eine lebhafte Diskussion darüber, ob Basketball bei Rasta Vechta nun Kult („Ist doch super, was der Pivo da macht“) oder Quatsch („zu viel Entertainment, zu viele Spielpausen, nur Amerikaner“) ist. Das Ergebnis ist eindeutig: 16 von 20 Teilnehmern würden (wieder) ein Bundesliga-Spiel in der Kreisstadt besuchen.

13.13 Uhr: Ankunft an der Hafenstraße. Besuch des Regionalliga-Spiels zwischen RW Essen und Alemannia Aachen. Vor der starken Kulisse von 10.126 Zuschauern gewinnt Aachen im schmucken RWE-Stadion das Viertliga-Spiel verdient mit 1:0. Was auch der „Boss“ Helmut Rahn auf seiner Bronzestatue vor dem Stadion etwas zerknirscht zur Kenntnis nimmt. Und es blieb dieses Fazit: Das Niveau in der 4. Liga ist eben doch nur Regionalliga reif.

18.49 Uhr: Rückfahrt ins Oldenburger Münsterland. Die 1:7-Pleite der ersten Herren bei Kickers Emden wird mit Erschrecken zur Kenntnis genommen. Hannes Kampers und Frank Kathmann werden als neues Trainer-Duo ins Spiel gebracht, lehnen aber direkt ab. Aus gutem Grund: Denn im Mai steht für die Altliga als amtierendem Kreismeister die Niedersachsenmeisterschaft an. „Dafür müssen wir uns vernünftig vorbereiten und alle Kräfte bündeln“, betont Kampers.

19.21 Uhr: Der Präsident ergreift das Wort. „Es war eine wunderschöne Fahrt. Wir haben noch nie so viel und so lecker gegessen“, sagt Norbert Post. Und spricht dann das aus, was alle denken: „Michael, diese Fahrt war hervorragend organisiert.“

Plätze

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Termine

TVD Fußballcamp
22.07.2021-24.07.2021

FC ST. Pauli - Fußballcamp
18.10.2021-20.10.2021